Excerpt for Kunstwerke von Liebe geschaffen by Ludovít Bari, available in its entirety at Smashwords



Kunstwerke von Liebe geschaffen


Ludovít Bari



Smashwords Edition





Copyright 2008 Ludovít Bari





Translated from Czech. An English version is also available.



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Warum dieses Buch entstand

Ich möchte dem Leser versichern, dass der wirkliche Grund für das Schreiben dieses Buches nicht Langweile war, und auch nicht Sehnsucht nach Exhibitionismus, nach unnötigem Beschriften von großer Menge Papier, um mich somit sichtbar zu machen, sondern nur die eigenen Emotionen, die dadurch entstanden, als ich feststellen musste, welchen Unsinn manche Autoren über Dinge schreiben, von denen sie nichts verstehen. Sie legen oft dem unwissenden Leser absoluten Blödsinn vor.

Die genauesten Gefühle des „eigentlichen Schöpfers“ bei der Herstellung von Musikinstrumenten und auch seine Arbeitsvorgänge zu kennen, davon träumte ich schon lange und wollte diese Erfahrung auch unbedingt machen. Es interessiert mich nicht, welchen Unfug sich irgendein Autor ausdenkt, um sich literarisch zu durchsetzen! Lediglich stelle ich fest, dass es, wenigstens in meinem Umfeld, nichts Derartiges gibt. Die letzten Klassiker sind längst verstorben, und von den Schöpfern der neuen Musikinstrumente, die etwas darüber schreiben könnten, gibt es nicht viele.

Diese Tatsache zwang mich schließlich dazu, gerade diese Informationen an Menschen weiterzuleiten, die sich für solche Literaturart interessieren. Da ich in den letzten vierzig Jahren nur wenige kurze Briefe geschrieben habe, mag es wohl als eine Frechheit, oder ein großer Mut zu erscheinen, wenn ich auf einmal aus heiterem Himmel dieses Buch anfange. Es ist fast genauso, wie mit meinen neuen Instrumenten (Geigen). Weil ich bereits eine gewisse Menge an Instrumenten und neuen Formen erreichte (etwa zwanzig neuartige Formen), entschloss ich mich über meine wahre Geschichte zu schreiben.

Einem anderen diese Möglichkeit zu geben, eine verschönerte und womöglich unkorrekte Beschreibung dessen, was ich tatsächlich erlebte, zu erfassen, das wollte ich nicht. Es stört mich ebenso nicht, dass dieses Buch manche Leute für eine Art Narzissmus halten werden, weil es so auf den ersten Blick erscheinen mag. Ich wollte nur ein wahrhaftiges Bild erstellen, ein Bild meiner eigenen Gefühle, vieler Probleme, die ich dabei lösen musste, und ebenso meiner Stimmungen, die ich bei der Arbeit erlebte und die niemand anderes nachvollziehen kann. Es dauerte ein halbes Jahr, bis ich lernte einen zusammenhängenden Satz zu schreiben, die richtige Wortfolge einzuhalten, und dabei keine grammatikalischen Fehler zu machen. Ich habe so viele Texte geschrieben, dass ich sie wieder kürzen musste, um eine vernünftige Form und gewissen Stil zu erzielen. Über weitere Monate korrigierte ich die dann das eigentliche Konzept der Geschichte, lernte auch Absätze zu machen und arbeitete an meiner Schreibart. Bei den Korrekturen half mir meine liebe Kollegin Jaruška, wofür ich ihr unglaublich dankbar bin. Ohne ihre Hilfe hätte ich dieses Buch wohl nie beenden können.

Was ist Kunst

Die Kunst ist das Abbild der Liebe, die uns das Willen Gottes gewährt, damit wir unsere Seelen in qualitätsvollere, höhere Formen verwandeln und uns durch Kunst veredeln. Damit wir bessere und vollkommenere Wesen auf diesem wunderschönen Planet werden.

Die durch Kunst entstandenen Werte sind die höchsten Werte, die wir auf diesem Wege erwerben können, da die Kunst eine Segnung ist und den direkten Kontakt mit dem Willen Gottes darstellt, der uns etwas übergeben will. Durch die Nachvollziehung dieses Schenkungsprozesses legen wir dieses Geschenk in unserem Gedächtnis und in unserer Seele ab. Es ist gleichgültig, in welcher Form wir diese Informationen empfangen und auf welche Art und Weise wir imstande sind, sie aufzunehmen. Es ist jedoch sehr wichtig, dass in uns die Spur dieser Gabe verbleibt und uns inspiriert. Die Kunst ist ein Reifungsprozess, der wie der Wein bei seiner Gärung zum edlen Getränk ständig seine Formen ändert. Nur ein guter Weinverkoster erkennt seine Qualität und seinen vollkommenen Geschmack.

Sie ist ein Abbild der Wandlung, die wir in uns vollziehen (ein ähnlicher Prozess ist das Schleifen des Diamanten zum Brillianten). So werden wir dann auch in unserer nächsten Umgebung angesehen.

Deshalb wird die Kunst als ein Mittel zur Kultivierung unserer Seele und als die Quintessenz der Liebe Gottes angesehen. Sie ist die Konzentrierung der besten und vollkommensten Eigenschaften und Fähigkeiten, die der Mensch besitzt. Sie ist das Abbild des Prozesses der Wandlung und Veredelung unseres Innenlebens. Die Kunst ist eine Gabe Gottes, die uns überreicht wurde, damit wir unser Empfinden und Denken vervollkommnen. Damit wir an ihrer Vollkommenheit teilhaben und sie empfinden und verstehen lernen. Durch das Kennenlernen ihrer Werte und durch die Beschreibung der wahrgenommenen Erscheinungen werden wir nach und nach zu objektiven Bewerten, da wir bereits imstande sind, die Werte und die Realität zu erkennen, die uns umgeben. Jedes Kunstwerk präsentiert dann den Inhalt dieser Werte und Qualitäten, anhand derer wir oder unsere Werke oder die Werke anderer Menschen bewertet werden. Bewertet aber nur durch diejenigen, die diese unsere Leistung wahrheitsgemäß zu erkennen vermögen. Nur dann kann von einer objektiven Wertung die Rede sein.

Positive Kunst ist wie eine Religion, die wir unbedingt brauchen und ohne die man nicht leben kann. Wir brauchen sie zum geistvollen Leben sowie um unser Heim und unsere Umgebung angenehm zu gestalten, aber hauptsächlich zum zufriedenen Leben.

Die Kunst ist wie jede andere Religion, zu der die Menschen emporblicken, da sie sie geistig erfüllt und ihnen den Sinn des Lebens gibt. So sollten wir zur wahrhaften Kunst emporblicken, da sie die Erfüllung unseres Lebens und Teil des Willens Gottes ist.

Die Kunst brauchen wir: sie beschert uns beim Schöpfungsprozess Glücksgefühle, die wir gerne an andere, die sich unser Werk ansehen, weiterreichen möchten, um diese Gefühle zu mehren. Mit der Schönheit der Kunst möchten wir unsere Nächsten und Lieben beglücken. Wir sind bereit, jeden Preis zu zahlen, um diese künstlerischen Werte für sich und als Geschenk für andere zu erwerben. Die Kunst, die durch Sehen, Hören oder Betasten, einfach durch alle Sinne wahrgenommen wird, bringt vielen Menschen das Gefühl des Glücks und der Freude. Ja, deshalb brauchen wir die Kunst zu unserem Sein! Die Menschen sind bereit, für die Kunst zu leiden, auch wenn sie im Voraus wissen, dass sie kaum durch Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen können. Sie sind trotzdem bereit, der Kunst ihr ganzes Leben zu widmen, ohne Rücksicht auf die Folgen dieser Entscheidung. Die Kunst hat ihren ständigen geistigen Wert, wenn die Menschen sie verstehen und ihren Wert zu schätzen wissen.



Artefakt ist Geige

Eine Frau, die das Abbild der göttlichen Perfektion darstellt, kann nichts anderes sein, als ein ewiges Thema für ihren Gegensatz, also natürlich für den Mann. Manche von meinen Instrumenten sind in ihren Formen treue Kopien der Frauenkörper. Diese Perfektion, die der Gott schuf, in eine künstlerische „Abkürzung“ zu vereinfachen, ist für den Künstler selbst eine ewige Inspiration.

Die Berufung des Mannes ist gerade diese Aufgabe, die er auch in vielen Fällen einhält. Mit Recht sieht er zu ihr auf, wie zu seinem Gott. Er findet in ihrem Wesen Zärtlichkeit, Liebe, und auch die Vollkommenheit und Schönheit ihres Körpers. Die alten Meister und Schöpfer der klassischen Instrumente mussten ohne Zweifel auch durch die Schönheit des menschlichen Wesens inspiriert sein, also durch die Frau. Eine Frau ist wie eine Blüte, die es mit ihrem natürlichen Fluidum und ihrer Schönheit schafft, die Aufmerksamkeit des Mannes zu erringen, sich so darzustellen, dass er zu einem liebenden Bewunderer wird, zum Vater ihrer Kinder, Helfer und Beschützer, der alle ihre Wünsche erfüllt. Falls er diesen Bedürfnissen nicht entspricht, ist er dann in ihren Augen kein richtiger Mann.

Nur ein vollkommener Mann ist fähig jeden ihrer Wünsche zu erfüllen, auch wenn es ihn das eigene Leben kosten sollte, das er auf den Altar ihrer Liebe legt. Er wird die Niedlichkeit ihrer weiblichen Formen, die eine heilige Geometrie beinhalten, unendlich bewundern und lieben.

Er wird diese Formen in den Korpus eines Instruments einkomponieren, damit etwas vergleichbar Schönes entsteht, wie sie selbst. Die Geige, die in jedem Detail solche Eigenschaften beinhaltet, ist ihrer Schönheit und Vollkommenheit unglaublich ähnlich.

Nur rein männliche Eigenschaften und das eigenartige Gefühl des Mannes konnten diese Ähnlichkeit umsetzen und schließlich darstellen. Zärtliche Sehnsucht und die Zuneigung zum geliebten Wesen bewegten ihn dazu, ihre Formen in die Form der Geige einzukomponieren, damit er frei ihren Körper berühren kann, damit er einfacher ihre Sehnsüchte beherrschen kann. Er ließ aus dieser Form ein Instrument entstehen, das Töne und Klänge von sich gibt, die so harmonisch und gefühlvoll sind, wie seine eigenen Gefühle zum geliebten Wesen.

Ich habe den begründeten Verdacht, dass genau aus diesen edlen Beweggründen die Geige erschaffen wurde. Der Künstler und Meister seines Faches, der beschloss diesen durch Gott gesegneten Weg zu gehen, musste diese Eigenschaften mit der Form der Geige oder des Cellos vereinen. Mit der Hilfe der heiligen Geometrie und geheimen Zahlen bekam er ein vollkommenes Musikinstrument, das die Geige ohne Zweifel darstellt. Er musste Einsicht in die Geheimnise der Philosophie nehmen, die jedoch nur ein Bruchteil der göttlichen Perfektion enthüllt.

Die Qualität und Schönheit des menschlichen Körpers ist identisch mit der Materie, aus der dieses Instrument hergestellt wurde. Die Schönheit des menschlichen Körpers und seine Vollkommenheit sind wie die Schönheit und Vollkommenheit eines Baumes. Ähnliche Materie, und vielleicht sogar der selber Grund seines Entstehens. Nur ein sehr aufmerksamer Mensch kann die Tatsache, dass die Gottes Hand diese Welt erschuf, wahrnehmen. Er kann dann den Weg finden, der ihn zu etwas Ähnlichem führt, das hier durch den Gott entstand.

Egal was Großes und Schönes je durch den Menschen entstanden ist, die Geige gehört zweifellos dazu. Den Zusammenbau einer Geige würde ich mit dem Bau eines Doms oder sogar einer Kathedrale vergleichen. In dieses Geheimnis Einsicht zu nehmen, half mir bei meiner schicksalhaften Suche nach allem, was diese Theorie und Lehren verlangen.

Durch verschiedene Zweige der Philosophie, zu denen auch Alchimie gehört, begriff ich die Zusammenhänge, die in einer Geige beinhaltet sind. Durch die Erkenntnis eines bestimmten Teils der Nummerologie, nach einem genauen Verständnis mancher Zahlenwerte und in Verbindung mit der heiligen Geometrie, kann man eine vollkommene Form des Instruments erreichen.

Die Wahl des Materials, sein Alter und auch der Ort, wo er wächst, sind sehr wichtig. Das Verwenden von geeigneten Materialien für die oberflächige Bearbeitung des Instruments ist Voraussetzung für die glücklich gelungene und erfolgreiche Anfertigung, sowie für die qualitativ guten Töne. Durch das Zusammenspiel all dieser Grundsätze kann man erkennen, was für ein Instrument die Geige an sich ist. Schon die Bezeichnung der einzelnen Teile sagt uns, um welchen Teil des menschlichen Körpers es sich handelt.

Zum Beispiel der Kopf, der Hals, der Rücken, der Bauch, oder auch die Seele. All diese Namen lassen so erkennen, welches Teil des weiblichen Körpers hier gemeint ist. Nur der genaueste Zusammenbau dieser Konstruktion in gegebenen Zahlenwerten und in genauen geometrischen Formen garantiert hohe Qualität des Instruments und auch seines Klanges.

Die numerische Ausdehnung der Werte, die das Instrument für den gegebenen Fingersatz und für das Einstimmen (Mensuren) benötigt, ist von vornherein in dem Gesamtbau vorgegeben. Nur die genaue Dimension der Mensuren ermöglicht ein korrektes Einstimmen. Mit dem Einsetzen des Herzens oder der Seele in das Instrument werden die obere und die untere Platte in eine Membrane verbunden und somit sind sie dann voneinander abhängig. Im sauberen und durch nichts gestörten Ton, der in diesem Instrument entsteht, spiegelt sich diese Verbindung als das Bild der menschlichen Verbindung „Mann und Frau“.

Damit ich diese Theorie belegen kann, muss ich hier erklären, wie ich zu dieser Ansicht kam. Die obere Platte des Instruments ist aus Fichtenholz. Aus Fichte, dem saueren Holz, werden etwa dreißig Prozent des gesamten Instruments angefertigt, also etwa so viel, wie in der Philosophie und Alchimie das männliche Element (Blei, Eisen) vertritt. Das untere Teil des Instruments besteht zusammen mit dem Hals aus Ahorn, dem süßen Holz, und vertritt so das weibliche Element (Kupfer, Silber). Dieses Holz stellt bei dem fertigen Instrument etwa siebzig Prozent des gesamten Volumens dar. Natürlich auch mit schwarzem Ebenholz, das ebenfalls eine weibliche Farbe darstellt!

Das Einsetzen des Halses an den Korpus des Instruments im Winkel von sieben Grad (die Sieben ist eine heilige Zahl) garantiert dann, dass das Instrument nicht in sich zusammenfällt oder auseinander bricht, und hält den Zug der gespannten Saiten, sowie das Einstimmen, aus. Wenn das Instrument komplett zusammengebaut ist, können wir zu der oberflächigen Bearbeitung kommen.

Die oberflächige Bearbeitung ist eine rein alchimistische Frage, die jeder Herstellungsmeister nach seinem eigenen Verfahren durchführt, das er auch streng behütet, damit es niemand nachmachen kann. Hochwertiger Lack gibt dem Instrument nicht nur die letzte Note an seinem Aussehen, sondern beeinflusst auch den Klang. Erst nach dieser letzten Bearbeitung kann man das Instrument besaiten und einstimmen, wie ein Kunststück, auf dem man spielen kann, und dann auch die Schönheit seiner Form und seines Klanges (sechs Tage schuf er, am siebten Tag ruhte er sich aus) demonstrieren.

Nimmt dieses Instrument ein junger Mann in die Hände, und beginnt er zu spielen, kann es keine bessere Kombination geben, als diese. Aus der ästhetischen Ansicht gibt es wohl nichts, was dieser Symbiose konkurrieren könnte. Sie kommt mir unglaublich schön vor, sich gegenseitig ergänzend, als ob sie sich in ein „Ganzes“ verbinden würden. Die Geige wird erst in den Händen eines Mannes schöner und vollkommener.

Wenn sich diese zwei Einheiten verbinden, dann habe ich das Gefühl, dass aus reiner Schönheit ein „Etwas“ entsteht, das mich an das Spiegeln des Mondlichtes und an den Sonneschein erinnert. Und wenn noch hierzu eine Frau die Violine spielt, oder das Cello, dann erst kommt es zu der so genannten „Schließung des Kreises“ in eine ewige Einheit. Nur in männlichen Händen verwandelt sich die Frau in eine schöne Blüte, nur in seinen Handflächen kann sich ihre Schönheit vollkommen entfalten.

Setzt der Mann die Geige an, und presst sie mit seinem Kinn fest, drückt er das Instrument genau an die Stelle, wo sein Herzpuls zu spüren ist. Damit kommt es zu einer sehr engen Verbindung zwischen seinem Herzen, also seiner Seele, mit dem Instrument. Liebevolle Klänge und leichtes Vibrieren werden so von dem Herzen des Spielers auf das Instrument übertragen - und auch umgekehrt.

Mit dem Geigenbogen bringt er die Saiten zum Schwingen, die dann unter seinem gefühlvollen Fingerdruck zärtliche Töne herausgeben. Die Wahrnehmung der Gefühle durch seine Finger und durch das Schwingen der Saiten wird durch den Arm in seinen ganzen Körper übertragen, und somit wird er selbst zu einem Teil des Instruments. Es bildet sich eine Einheit.

Die Töne und die Vibrationen bringen diese Einheit zum Schwingen, die dann, bemächtigt durch die Energie, in den Raum aufsteigt, um sich dort mit den Kräften der höchsten Energie zu verbinden. Meiner Meinung nach verbindet sich der Geigenspieler mit der Energie des höchsten Wesens und wird durch diesen Kontakt beeinflusst. Man könnte es so sagen: falls der Mensch ein Werk Gottes ist, ist die Geige das Werk eines begabten Menschen.

Jedoch nicht jedes Instrument, das die Werkstatt verlässt, ist von seinem Klang her vollkommen. Auch nicht jeder Mensch ist vollkommen. Aber eine gewisse Form und Eleganz ist fast jedem gegeben. Die Geige kann man als einen künstlerischen Ausdruck des weiblichen Körpers verstehen, mit allen seinen ästhetischen Gegebenheiten.

Alle meine Instrumente fertige ich an und bearbeite sie nicht nur mit der Rücksicht auf ihre Funktion, aber auch auf ihre Ästhetik. Ich bemühe mich, damit sie zu richtigen Kunstwerken werden. Ich wünsche mir, dass meine Instrumente, an denen ich mit Liebe und großer Freude arbeitete, die gleiche Freude auch anderen Menschen bringen, und ich hoffe, dass sie dann nicht nur als Musikinstrumente gekauft und betrachtet werden, sondern eben als Kunstwerke.





Dort, wo ich aufwuchs

Im wunderschönen Tal unter den Bergen, am Rande der Stadt Turčanský sv. Martin, gab es nur wenige Häuschen. Nicht weit von hier machte sich durch eine Wiese ein kleiner Bach den Weg frei, gesäumt von den vielen Blüten der Wiesenblumen. Diese Wiese sah aus, wie ein wunderschöner bunter Teppich, gewebt durch die Mutter Natur, der aus blaugrünen Blättern, gelben Butterblumen und zarten, hellblauen Blüten des Vergissmeinnicht bestand.

Die Reichhaltigkeit an Blüten der verschiedensten Kräuterblumen war unglaublich, und die frische Luft der Berge mischte sich dann mit ihrem Duft. So entstand eine Mischung zum Einatmen, die für die Menschen dort fast unersetzbar war.

Über dem Bach führte ein schmaler Steg, auf beiden Seiten mit Steinen unterlegt, und von diesem Steg schlängelte sich durch die Wiese ein enger Pfad, bis zum nahe liegenden Wald. Entlang des Baches führte auch ein staubiger Weg voller Steine, auf dem man Fuhren mit Heu und auch mit Holz aus den Bergen beförderte. Dieser Weg stieg langsam auf, in einen Hügel, und sah dabei, wie ein Schlangenkörper aus. Immer wieder verschwand er, um ein Stück weiter wieder aufzutauchen, und schließlich endete er ganz oben, bei Boží Muka.

Der Blick auf das Panorama dieser Landschaft nahm Einem den Atem weg. Zu jeder Jahreszeit war der Eindruck anders, aber jedes Mal war er wunderschön und interessant. Nur selten hat man die Möglichkeit etwas so Atemberaubendes zu sehen. Diesen Eindruck speichert man im Gedächtnis sowie im Herzen, und nimmt ihn mit, bis ans Ende seines Lebens. Man vergisst ihn nie …

Als kleiner Junge wuchs ich hier auf, war von dieser Schönheit umgeben und bezaubert, und all das nahmen auch mein Gedächtnis und meine Seele auf. Das Haus, wo ich aufwuchs und mit meinen Eltern lebte, hatte mein Großvater für meinen Vater bauen lassen. Mein Großvater war ein anerkannter Cellist, er lebte lange Jahre in Prag, wo er mit bekannten Künstlern verkehrte, wie zum Beispiel mit dem Klavierspieler und Komponisten Ježek, oder mit dem Dirigenten Karel Vlach. Er war einer der wenigen Musikanten, die ihr Geld in Immobilien investierten. Unser Vater hatte uns erzähl, dass der Großvater so reich war, dass er nie richtig wusste, wie viel Geld er eigentlich hat. Er hatte zwei Cellos. In dem einen, auf dem er Zuhause übte, versteckte er sein Geld, das er mit der Musik verdiente.

Unser Vater hatte uns auch erzähl, dass es immer bis zur Hälfte voll mit Geld war, und dass er sich öfter heimlich etwas davon nahm, um es mit seinen Freunden auszugeben. Der Großvater hatte es nie bemerkt, wenn von dem Geld etwas fehlte. Aus reiner Verschwendung ließ er sich an seine Smokingweste goldene Knöpfe annähen, und er ließ sich auch in seinen Zahn einen Diamanten einsetzen, ganz nach Vorbild der Hollywoodstars. Er kaufte sich auch Immobilien, besaß einige in der Slowakei und auch in der Tschechei. In der Hohen Tatra, direkt in Poprad, baute er einen „Gree-Park“, also einen griechischen Park, in dem er große, schöne Altane aufstellen ließ, in denen er dann, nach dem Pferdereiten auf weißen Pferden aus Kladruby (davon hatte er auch gleich mehrere), für seine Gäste Musik machte. Seine Gäste waren meistens adeliger Abstammung, er veranstaltete für sie Nachmittagskonzerte und spielte auf seinem gelben Cello.

Unser Vater war auch ein Musiker. Er bewunderte Louise Armstrong und spielte auf Saxofon diese Art Musik. Alle sagten, dass er für dieses Instrument sehr talentiert war. Unsere Mutter war im Haushalt und kümmerte sich um uns.

Der Vater musste mit uns in dieses Haus einziehen, denn sonst hätten sie es die Kommunisten beschlagnahmt, wie auch alle anderen Immobilien des Großvaters. Kurz vor dem Ende des Krieges schleppte die rote Armee den Großvater, sowie alle anderen männlichen Familienmitglieder, in einen Arbeitslager nach Russland ab. Der Grund hierfür war, dass er ungarischer Abstammung war, sprach fließend deutsch und spielte auch für die Deutschen Musik. Die Ironie des Schicksals bleibt, dass er vorher im Konzentrationslager in Dachau eingesperrt war. In der Nacht wurden sie von den Russen in einen Güterwagon gesperrt, in dem man sonst nur Vieh transportierte, und wurden nach Sibirien gebracht, wo sie einige Wochen später an den Folgen des Transportes und der eisigen Kälte starben. Aber das ist schon lange her und ich möchte es hier nicht weiter ausführen.

In dieser Landschaft der wunderschönen Berge, Wälder und Hänge, in der ich als kleiner Junge einige Jahre meiner Kindheit verbrachte, wurde ich durch alles um mich herum sehr positiv beeinflusst. Ich bin davon überzeugt, dass diese Umgebung, in der ich aufwuchs, mich mit Sicherheit mit dem Bild hiesiger Landschaft und der gegenwärtigen Energie bereicherte. Den Einfluss dieser Energie aus der nahesten Umgebung spürte ich bis in die Knochen. Ich fühlte, wie die Landschaft in mir ein geistliches Bild formte, und dieses innere Bild wuchs durch das Wahrnehmen meines Umfeldes, und auch durch alles, was ich dort berührte. Mein Bezug zur Natur beinhaltete ebenso Beobachtungen der kleinsten Details, die ich nicht übersehen konnte - zum Beispiel die gerade geborenen Kaulquappen in den Pfützen und später ihre Verwandlung. All diese Einwirkungen, die mich aus der gegenwärtigen Landschaft durchdrängten, formten meine Gefühle und erfüllten mich mit einer Atmosphäre, die meinen zukünftigen geistlichen Reichtum schuf.

In meinem Gedächtnis blieb das Bild der aufgenommenen Landschaft, die ich in der Kindheit so oft sah, und die mich mit ihrer Schönheit bereicherte und erfüllte. Nur die Zeit war es dazu nötig, damit aus meiner Seele die Quelle dieser Schönheit entspringt, auf die Oberfläche meines Empfindens. Genauso wie ein Samen, der zu einer Blüte wurde.

Es war nur die Frage, welche Persönlichkeit diese Umgebung aus mir macht. Entweder wird daraus eine Aufzeichnung dieser Werte, die sich bis auf die Oberfläche meines Denkens durchdrängt und aus der ich dann meine Inspiration schöpfen kann, oder es entsteht überhaupt nicht und alles war um sonst. Es kam nur auf mich an, wie ich es schaffe, diese Werte zu verarbeiten und zu verwerten. Die Aufzeichnung der Emotionen, verborgen im Gedächtnis der Kindheit, hat einen großen geistlichen Wert und Kraft, aus der man sein Leben lang Energie schöpfen kann.

Ich erinnere mich, wie ich auf der blühenden Wiese stand, und verliebt betrachtete den wunderschönen bunten Teppich. Aus den hellblauen Vergissmeinnicht und den gelben Butterblumen. Ich erinnere mich auch an den kristallklaren Bach, der leise vor sich hinrieselte. In seinem Wasser spiegelten sich die Sonnenstrahlen und blendeten meine Kinderaugen. Ich sah auch mein eigenes Bild, das sich ebenfalls in der glänzenden Wasseroberfläche spiegelte. Der Rahmen dieses Bildes waren diese Blüten und über meinem Kopf war der blaue Himmel. Mit dieser Erinnerung finde ich jedes Mal in mir so viele Kräfte, dass ich dann alle Schwierigkeiten des eigenen Schicksals überwinde, und kann wieder glücklich leben und arbeiten. Dann empfinde ich keine Depressionen mehr, keine Müdigkeit, und meine Seele fühlt sich wohl. Ich empfinde wieder ein Glücksgefühl.

Jedes mal, wenn ich am Boden bin und will die unschönen Gedanken verjagen, oder das Dunkle des grauen, müden Tages verwischen, denke ich an diese Orte und schöpfe aus ihnen neue Kraft. Ich stelle mir die schöne Gegend vor, wo ich einige Jahre lang aufwuchs…



Zum ersten Mal in die Schule

Mit dieser kleinen Episode möchte ich gerne zeigen, wie mir das Schicksal bereits in der Kindheit andeutete, was es in den nächsten Jahren mit mir vorhat.

Die Vorstellung, dass ich bald in die Schule gehe, war für mich sehr aufregend. Schon einige Tage vorher hätte ich deshalb fast nicht geschlafen. Ich stellte mir vor, wie ich in der Schulbank sitze und lerne Worte schreiben, damit ich lesen und schreiben kann. Ich freute mich auf die Zeit, wann ich all die Märchenbücher lesen kann, aus denen uns die Mama vor dem Einschlafen immer vorgelesen hatte.

Sie kaufte mir auch eine große Fibel, in der viele schöne Bilder waren. An dem Morgen, als wir dann zum ersten Mal in die Schule gingen, weckte die Mama mich und meinen älteren Bruder mit einem deutschen Satz: „Aufstehen und in die Schule gehen!“ Die Mama besuchte deutsche und ungarische Schulen, und so lehrte sie uns zuhause auch diese beiden Sprachen.

Sie zog uns in dunkelblaue Matrosenkleider an und setzte uns auch Seemannsmützen auf. Sie kaufte mir eine neue rote Schultasche, in die sie alle möglichen Lehrmittel steckte und auch eine große Vesper. Ganz stolz gingen wir dann mit meinem Bruder und der Mama in die Schule. Als mich meine Mama anmeldete und in das Klassenzimmer führte, fühlte ich mich bedrängt. Vor der Schule besuchte ich zwei Jahre lang einen Kindergarten, und die Mama dachte, dass es mit der Schule für mich kein Problem sein wird. Leider bekam ich aber solche Angst, dass ich dort um keinen Preis bleiben wollte. Die Mama musste auf mich sehr lange einreden, damit ich bleibe. Die Lehrerin setze mich in eine Schulbank neben ein Mädchen, weil wo anders kein Platz mehr frei war. Nur hier. Das machte mich nicht glücklich, denn andere Kinder lachten über mich, dass ich neben einem Mädchen sitze. Die anderen Jungs saßen je nebeneinander, von den Mädchen getrennt.

Nach dem Unterricht musste mein Bruder noch in der Schule bleiben, und ich wollte alleine nach Hause nicht laufen. Auf dem Weg war über dem Fluss eine hohe Holzbrücke, aus der ich beobachtete, wie das Wasser fließt. Nach einer Weile ging ich herunter, an das Ufer, um mir dort die kleinen Fische anzuschauen. Dann lief ich weiter, am Ufer entlang, bis ich eine bekannte Stelle erreichte, an der man einen Wall überqueren musste, der den Fluss vom Weg trennte. Von oben, bevor man auf diesen Weg kam, war eine schöne Aussicht auf die naheste Umgebung. Ich sah von dort einige Kühe, die auf einer Wiese entlang der Häuschen weideten. Die Kühe gehörten unseren Nachbarn, die ich gut kannte. Ich wusste, dass sie ziemlich friedlich sind, und dass ich vor ihnen keine Angst haben brauche. Damit ich auf den Weg komme, der nach Hause führte, musste ich die Wiese überqueren, und an den Kühen vorbei gehen. Ich bemerkte dabei, wie eine von ihnen ständig auf die anderen, ruhig weidenden, Kühe sprang. Eine Weile beobachtete ich sie, und als sie wieder ruhig wurde, wollte ich unauffällig an ihr vorbeikommen. Als ich bei der Herde war, zur Sicherheit achtete ich auf diese eine Kuh, und damit sie mich nicht bemerkt, schlich ich mich so an ihr vorbei, dass mich die anderen Kühe verdeckten und sie mich nicht sehen konnte. Da dachte ich noch, ich könnte an ihr unbemerkt vorbei kommen.

Eine Kuh nach der anderen hatte ich also unauffällig passiert, und dachte schon, ich hätte es hinter mir. Ich nahm an, dass mich diese unruhige Kuh überhaupt nicht bemerkte. Auf einmal hörte ich aber hinter mir ein Geräusch! Als ich mich umdrehte, um zu sehen, wo dieses Geräusch herkommt, sah ich nur noch den riesigen Kopf dieser Kuh, die mich gerade auf ihre Hörner aufspießte. Ich weiß nicht, was sie so wütend gemacht hatte, dass sie mich angriff. Ob ich, oder meine rote Schultasche, die ich auf dem Rücken trug, und an der sie mich gerade hoch in die Luft schleuderte. Es war so eine Wucht, dass ich in einem großen Bogen hoch flog, und dann ausgerechnet auf ihren Rücken wieder herunterfiel. Aus der Luft sah ich noch meine Seemannsmütze, wie sie neben mir fliegt. Aus lauter Angst wusste ich nicht, was ich machen soll. Die Mütze beachtete ich nicht mehr und mit großen Augen wartete ab, wo ich wohl wieder herunterkomme. Kurz vor dem Aufprall biss ich nur die Zähne zusammen und ließ alles geschehen. Zuerst fiel ich mit meiner Schultasche auf den Kuhrücken. Dann wurde ich umgedreht, blieb aber immer noch auf ihrem Rücken. Gekrümmt in der Taille, kreuz und quer liegend auf der wütenden Kuh, flog ich noch einige Male durch die Lüfte, bis ich endlich von ihrem Rücken auf den Boden herunterfiel. Ich fiel direkt auf meinen Kopf und sah dabei einige funkelnden Sternchen direkt vor meiner Nase. Als sie wieder verschwanden, hatte ich dicht vor mir das Auge der Kuh, sie sah mich wütend an und schnaufte mir direkt ins Gesicht. Bis an mein Lebensende werde ich den Ausdruck des Kuhauges und dieses Schnaufen nicht vergessen. Ich lag bewegungslos auf den Bauch und vor lauter Angst konnte ich nicht atmen. Ich wartete nur, was jetzt kommt. Ich hatte Angst aufzustehen und wegzulaufen, ich befürchtete, dass mich die Kuh dann verfolgen wird und schnell einholt.

Die wütende Kuh ließ mich aber nicht lange auf dem Boden liegen. Sie versuchte mich wieder aufzuspießen, nur es gelang ihr nicht. Sie schob mich mit ihren Hörnern vor sich hin, bis ihr endlich gelang meine Schultasche zu packen. Sie schüttelte mit mir hin und her und ich flog um ihren Kopf herum, wie eine Kuhglocke. Dann machte sie eine schnelle Bewegung, so, dass die Riemchen von meiner Schultasche nachgaben. Die Schultasche blieb an ihrem Horn hängen und ich flog in einem großen Bogen wieder durch die Luft. Diesmal fiel ich aber viel härter, ohne die dämpfende Schultasche. Ich fiel so hart, das ich ohnmächtig wurde. Dann wusste ich von nichts mehr und spürte auch gar nichts.

Die Jungs, die die Kühe betreut hatten, sahen was mit mir geschah und kamen schnell angerannt, um die wild gewordene Kuh von mir wegscheuchen. Sie retteten mir damit das Leben. Diese wütende Kuh hätte mich bestimmt bis zum Tode getrampelt! Immer wieder schob sie mich vor sich hin, solange, bis diese Jungs kamen. Ich war voll Wunden und hatte blaue Flecken am ganzen Körper. Die Mama weinte sehr, und sie bat mich, dass ich das nächste Mal von der Schule direkt nach Hause gehe und mich nirgendwo anders herumtreibe. Dabei streichelte und küsste sie mich. Meine Mama hatte ich sehr, sehr gern und ich liebte sie so, wie sie mich.



Die Mama

Die Mama war meine einzige Sonne am Himmel,

die für mich schien und gab Wärme meiner Seele,

sie war das Licht, das mein Herz erhellte …

und mit diesem Licht schuf sie einen Raum,

in den die ganze Welt reinpassen würde.

Ein Licht, das den Glanz hervorbrachte

in meinen tiefen dunklen Augen

aus denen der Glanz dieser Welt

und reine Liebe ausstrahlten.

Jeder, der in sie hineinsah, sah einen Funken

und spürte die Wärme meiner Seele,

die vor Glück strahlte.

Ich strahlte mit ihrem Spektrum und Liebe,

aber auch mit Glück,

das mich erfüllte und für mich alles war.

Alles, was ich heute im Überfluss habe,

ist ein Spiegelbild ihres Lichtes

und der Liebe, die sie mir gab,

wofür ich sie immer noch so sehr liebe.

Das Licht ging plötzlich aus,

und in meiner Seele wurde es dunkel.

Nur ein großes Durcheinander und Angst,

und daraus wurde eine Trauer,

die mich verschluckte und mein Gesicht

mit Falten zeichnete.

Die Seele war eingeschlossen durch Leid

und das Feuer, das in mir langsam erlosch,

trocknete auch meine Tränen aus.

Schmerz und Leid, ja, nur der Schmerz

im Herzen vernarbte mein Gesicht!

Er ritzte darin eine Spur des Leidens …

oder das Gesetz des Lebens

und der Vergänglichkeit?

Er hinterließ mir … einen Funken der Hoffnung,

der nur deshalb nicht erlosch,

damit ich weiter leben kann,er nahm sich dafür ein Stück meiner Jugend … vielleicht als Ersatz für das alle

gab er mir die Schöpfungskraft.

Die Wahrnehmung mit meinem ganzen Herzen

und mit meiner Seele,

meine Hand mit der Kraft ihres Geistes geführt,
der in mir blieb.



Musik – mein Leben

Ich war etwa vier Jahre alt, als mein Vater anfing mir das Spielen auf der Geige beizubringen. Mit meinem älteren Bruder mussten wir zusammen jeden Tag die Tonleiter üben, die er uns lehrte. Für meinen älteren Bruder war das Üben mit mir langweilig, denn er spielte die Geige schon ein Jahr länger wie ich und beherrschte es auch besser. Damit er sich die Langweile vertreibt, dachte er sich verschiedene Tricks aus, um mich lächerlich zu machen. Dadurch entstanden zwischen uns einige Probleme, die meistens mit einem Streit und auch mit Kampf endeten. Er war auf mich eifersüchtig, denn er hatte das Gefühl, dass ihm die Mama nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkt, wie früher. Es war nicht mehr nur er, wen sie so bewunderte und liebte. Er litt darunter und verlangte von der Mama immer mehr und mehr Zuneigung. Er musste sich ihre Liebe mit mir teilen und das gab er mir sehr hart zu spüren!

Der Vater verlangte von uns, dass wir jeden Ton langsam und sauber spielen. Absichtlich spielte er selbst schneller, damit wir ihm nicht nachkommen. Ich versuchte genauso schnell zu spielen, wie er, aber das endete so, dass ich letztendlich falsch spielte. Mein Bruder machte sich über mich lustig und das störte mich. Ich legte die Geige beiseite, und schon ging die Rauferei los! Einmal schlug er mich mit dem Geigenbogen über den Kopf so stark, dass er in zwei Teile brach. Ich schrie vor lauter Schmerzen! Am Kopf hatte ich davon eine riesige Beule. Als es mein Bruder sah, wurde er vor Angst ganz blass. Er wusste genau, was nun folgen wird. Der Vater hörte mich weinen und kam sofort ins Zimmer, um zu sehen, was geschah. Als er feststellte, dass mich mein Bruder über den Kopf haute, und den Geigenbogen dabei zerbrach, gab es einen Ärger! Mit seinem Gürtel verprügelte er uns beiden den Hintern.

Der Vater spielte in einer Nachtbar und tagsüber schlief er. Mit meinem Bruder mussten wir jeden Tag mindesten zwei Stunden das Geigenspiel üben, im Zimmer nebenan, und es machte uns beiden keinen Spaß. Dia Mama kam immer wieder rein, um uns zu beruhigen, wenn wir uns gestritten hatten. Der Vater schlief zwar, aber er hörte jeden falschen Ton, den wir mit meinem Bruder spielten. Wenn es dann mehr falsche Töne waren, als er bereit war zu tolerieren, stand er aus seinem Bett auf und machte uns die Hölle heiß. Deshalb spielten wir sehr leise, damit er uns nicht so gut hören kann, und damit er uns nicht kontrollieren kann, ob wir eventuell wieder falsch spielen.

Was für eine große Überraschung war es für uns, als wir feststellen mussten, dass unser Versuch, den Vater zu täuschen, ganz um sonst war. Wir mussten wieder laut und sauber spielen. Und falls dann mehrere falsche Töne kamen, ging sofort die Tür auf und wir bekamen Schläge. Mit der Zeit wurden wir auch bei dem kleinsten Fehler geschlagen. Aus diesem Grund begann ich die Geige zu hassen, denn ich wusste nie, wann ich wieder Schläge bekomme. Ich kann mich erinnern, wie uns aus Leid die Tränen auf unsere kleine Instrumente herunter liefen, und auch auf die Nase, und wie dann die Mama kam, um sie abzuwischen. Sie schützte uns immer vor dem Zorn des Vaters, aber wenn er befahl, mussten wir üben, auch wenn es uns beiden überhaupt nicht gefiel.

Einmal, da ging ich schon zur Schule, sah ich bei einer Schulvorführung einen sowjetischen Film. Er handelte von einem kleinen Jungen, der Klavierspielen lernen wollte. Weil er aber zu Hause kein Klavier hatte, suchte er nach einer Möglichkeit, wie seine Sehnsucht nach diesem Musikinstrument durch etwas anders zu ersetzen. Mit einem Stöckchen klopfte er auf alles Mögliche, was einen Ton herausgeben und gut klingen könnte. Auf dem Weg von der Schule klopfte er auf die Metallstützen eines Maschendrahtzauns, von denen verschiedene Töne herauskamen. Er suchte dann solche Stützen, aus welchen er eine Melodie zusammensetzen konnte, die er dann immer wieder spielte. Der Schuldirektor beobachtete den Jungen und sein ungewöhnliches Verhalten aus dem Fenster. Bald stellte er fest, welche Begabung dieser Junge hat, und verhalf ihm dazu, eine Klavierschule zu besuchen, damit aus ihm einmal ein großer Künstler und Klaviervirtuos wird.

Die ganze Handlung des Films erlebte ich damals mit einem großen Interesse und auch einer großen Aufmerksamkeit. Ich merkte mir ebenfalls die Melodie, hatte sie ständig im Kopf und mit der Zeit verliebte ich mich in sie. Ich träumte sogar von ihr und auch von diesem kleinen Jungen. Er war etwa so alt wie ich, und auch optisch waren wir uns sehr ähnlich. Dieser Film, mit der interessanten Handlung und schöner Melodie, erweckte in mir eine große Sehnsucht auch ein Klavierspieler zu werden. In meinen Träumen passierte es oft, dass ich mich in diesen Jungen verwandelte, und ich war es dann, der zu einem großen Klaviervirtuosen wurde.

Den genauen Zeitpunkt weiß ich heute nicht mehr, aber mit der Zeit begann ich mich ebenfalls nach diesem Musikinstrument zu sehnen, genauso wie der kleine Junge aus dem Film. Ich hatte die gleiche Sehnsucht wie er und wünschte mir dieses Instrument Zuhause zu haben und spielen zu lernen. Der Film über diesen kleinen Klavierspieler inspirierte mich so sehr, wie nichts anders zuvor. Ich war fasziniert durch die Melancholie der Melodie, die mich min ihren wunderschönen Klaviertönen bis in mein Herz durchdrängte. Sie klangen in mir immer mehr und mehr, und füllten mich mit der Schönheit der Musik und des Instruments. Ich kam mir vor, als ob ich selbst das Instrument wäre und in meinem Inneren genauso klingen würde. Es entstand in mir eine riesige Sehnsucht, dieses Musikinstrument auch Zuhause zu haben. Ich hatte die Vorstellung, es würde mir genügen, das Klavier manchmal nur anzufassen und die Klaviatur zu streicheln, damit mein Wesen mit dem Instrument zu einer Einheit wird und meine Sehnsucht so gestillt werden kann. Am Ende hatte ich mich in dieses Musikinstrument richtig verliebt und bat immer wieder meine Mutter, ob sie den Vater überreden könnte, mir auch ein Klavier zu kaufen. Wir hatten zu der Zeit nicht so viele Mittel, um ein Klavier zu kaufen, das viel Geld gekostet hatte. Um mich zu trösten, erklärte mir mein Vater seine Theorie - ich muss zuerst das schwierigere Spiel auf der Geige beherrschen, und erst dann kann ich auf einem Klavier spielen. Und wenn ich es schaffe, wird es für mich kein Problem mehr sein, auch das Klavierspiel zu beherrschen. Ich hasste aber die Geige und wollte sie nicht spielen. Ich liebte nur das Klavier und wünschte mir nichts anderes.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass es mir schon beim Blick auf eine Klaviatur schwindlig wurde, meine Kehle wurde trocken und eng, so dass ich fast nicht mehr atmen konnte. Ich bekam sogar Schüttelfrost und meine Hände fingen an zu zittern. Und wenn es mir irgendwann endlich gelungen war, zu einem Klavier zu kommen, fühlte ich mich unglaublich wohl, gleichzeitig aber gespannt wie ein Bogen. Ich dachte mir: „Jetzt setzt du dich ganz ruhig hin und schließt deine Augen …

Also setzte ich mich hin und legte langsam meine Hände über die Klaviatur, und mit den Fingerspitzen berührte ich sie zärtlich. Einen Finger drückte ich dann leicht auf eine der Tasten, und es kam ein zarter leiser Ton heraus. Ich hielt meinen Finger solange auf der Taste, bis der Ton nicht mehr zu hören war, und solange erlebte ich den Klang mit meinem ganzen Körper und auch mit meiner Seele. Endlich konnte ich mit meinem geliebten Musikinstrument, das ich so bewunderte, verschmelzen. Ich begann Töne herauszufinden, die nach und nach auch meinen Körper ertönten. Als ich das Pedal drückte, kamen längere Töne heraus, und erst dann begann ich selbst vollkommen zu klingen.

Sehr schnell lernte ich die C-Dur Tonleiter, um die ersten Töne der Melodie spielen zu können, die ich aus dem Film gekannt und an die ich mich ständig erinnert hatte. Als ich sie dann beherrschte, spielte ich sie immer und immer wieder. Ich konnte davon einfach nicht satt werden, so sehr liebte ich diese wunderschöne Melodie. Ich spielte manchmal solange, bis ich vor Müdigkeit am Klavier einschlief.

Meinen Vater hatte die STB, die geheime Staatspolizei, einige Male verhaftet. Er wurde jedes Mal für einige Jahre eingesperrt, weil er für einen Staatsfeind, der unserer damaligen Gesellschaft gefährlich sei, gehalten wurde. In diesen Zeiten hatten wir niemanden, der uns das Spielen auf der Geige, oder einem anderen Musikinstrument, beibringen könnte. Die Mama hatte keine Mittel, damit wir wo anders eine entsprechende Ausbildung bekämen, und wir hatten oft Hunger, weil uns das Geld zum Leben gefehlt hatte.

Mein Cousin, der eine Klavierschule besucht hatte, zeigte mir den Fingersatz und brachte mir die ganze Technik des Klavierspiels bei. Ich lernte von ihm alles, was mir möglich war aufzunehmen. Er selbst war ein sehr begabter Klavierspieler, er zeigte mir Kompositionen von Mozart, Chopin und anderen weltberühmten Komponisten. Ich verliebte mich in Mozart, wegen der Leichtigkeit und Brillanz seiner Stücke. Durch meinen Cousin lernte ich sämtliche klassische, aber auch die moderne Musik. Er zeigte aber für das Klavier nicht viel Interesse, er mochte es etwa so, wie ich die Geige. Obendrein war er faul und die Klavierschule besuchte er nur sehr ungern. Ich hätte dafür damals alles gegeben, wenn ich das hätte haben können, was er hatte. Für mich war es eine Ironie des Schicksals, die ich nicht begreifen konnte. Welche sonderbaren Wege uns das Leben manchmal führt!

Ich dachte mir: „Wie ist es nur möglich, dass gerade die Menschen, die alles haben können, es nicht zu schätzen wissen, und diejenigen, die so sehr möchten, wiederum nicht können?!“

Ich musste mich damit aber abfinden, denn es gab niemanden, der mir hätte irgendwie helfen können. Ich war in mich selbst verschlossen und ließ niemanden in meine geheimen Sehnsüchte und Wünsche herein. Nicht weil ich keinen Mut hätte um Hilfe zu bitten, sondern weil ich mich schämte, dass mir das Schicksal nicht mehr gegönnt hatte. Aber ich glaubte an mich und ich war überzeugt, dass ich einmal mein eigenes Klavier besitzen werde, auf dem ich dann so viel und so oft spielen werde, wie ich will. Nichts und niemand wird mich dann darin einschränken können, wie es bis jetzt der Fall war.

Ich konnte nicht so oft spielen, wie ich wollte, weil meine Tante, bei der ich einige Zeit gelebt hatte, mir das nicht erlaubte. Um ehrlich zu sein, hatte sie von meinen Klavierübungen Kopfschmerzen. Mein Cousin dagegen musste üben, und ich saß ewig daneben. Niemand verstand mein Bedürfnis wegen dem ich so sehr gelitten hatte. Ich kam mir vor wie ein Waisenkind, ohne Eltern. Es war schrecklich für mich! Die Musik konsumierte ich nicht nur, wie die meisten Menschen um mich herum, sondern ich brauchte sie, ich musste sie selbst komponieren, um mich mit eigenen Melodien umgeben zu können. Um Töne zu schaffen, die um mich klingen werden und mein Körper mit ihnen. Mit der Zeit wurde ich nach diesen Klängen so unersättlich, dass ich mit einer Hand Saxofon spielte, das ich einmal von meinem Vater bekommen hatte, und mit der anderen Hand Akkorde auf dem Piano. Damit gelang es mir in dem kleinen Raum, in dem ich immer für mich übte, eine unglaublich schöne Atmosphäre zu schaffen. Ich selbst begann mit den Instrumenten zu klingen, bis ich davon eine Gänsehaut bekam und zitterte am ganzen Körper. Es waren für mich schöne Momente und Augenblicke, die ich sehr genießen konnte. Ich stellte fest, dass ich bei sanfter Musik oder schon bei einer Melodie das Gefühl habe, als würde ich über dem Boden schweben. Ich fühlte, dass ich in den Tönen, die im ganzen Raum entstehen, vollkommen aufgehe. Es kam mir vor wie eine Art Levitation, ermöglicht durch die melancholisch klingenden Melodien mit positiv geladener Energie. Ich war auch überzeugt, dass gefühlvolle Musik eine solche unglaubliche Energie besitzt, dass sie mit einer fast göttlichen Fähigkeit in der Lage ist, alles um uns verwandeln. Ich hatte das Gefühl, dass sie bis zu den Orten durchdringen kann, wo alle Töne langsam verstummen …

Auch einen Menschen kann die Musik verwandeln, falls er zuhören und mitklingen kann, wie das Instrument, das eine Melodie von sich gibt, die den ganzen Raum und seine Umgebung ertönen lässt. Ich wüsste zu gern, wie die anderen Menschen solche Musik und Melodien empfinden, die jemand anders mit seiner Zärtlichkeit komponiert hatte. Musik, in die er all seine Gefühle, sein Können und seine Liebe gelegt hatte. Wie zum Beispiel W. A. Mozart oder F. Chopin. Es müssen wunderbare Gefühlswellen sein, geschaffen durch Zärtlichkeit und die Liebe selbst. Gefühlswellen, die uns erreichen, und die wir dringend zum Leben brauchen, zu unserem Sein …

Lassen wir diese Musik klingen, damit sie uns erfüllt und auch alle anderen Lebewesen um uns herum!

Der Vater als Geigenbauer

Ich kann mich erinnern, dass einmal, da war ich etwa zehn Jahre alt, begann mein Vater eine Geige nur aus Streichhölzern zu bauen. In einem kleinen Raum, wo wir Kinder nicht gerne gesehen wurden, hatte er seine Werkstatt. Eigentlich war dort niemand gerne gesehen. Und wenn wir schon ausnahmsweise einmal rein kamen, dann durften wir nichts anfassen.

Einige Male hatten wir uns mit meinem Bruder Vaters Werkzeug mitgenommen, und vergasen es dann wieder zurückzugeben. Der Vater suchte es dann, und wenn er es nicht finden konnte, war er sehr wütend. Es war fast unglaublich, wie genau er wusste, wo er was findet, auch wenn es manchmal etwas länger dauerte. Wenn wir uns also etwas ausgeliehen hatten, und vergasen es wieder dahin zu legen, wo es vorher war, merkte er sofort, dass etwas fehlt und es gab einen richtig großen Ärger.

Es war Vaters Königreich. Er bewahrte dort sein Werkzeug auf, das für ihn so viel, wie ein kostbarer Schatz bedeutete. Für uns Kinder war das ganze Werkzeug natürlich sehr interessant. Vorher passierte manchmal, dass wir uns etwas ausgeliehen hatten und vergasen es zurückzustellen. Ich beobachtete öfter meinen Vater, wie er die Geige zusammenbaut. Als er sah, dass mich das interessiert, ließ er mich hereinkommen und manchmal durfte ich auch etwas halten, wenn er zufällig Hilfe brauchte.

Ich beobachtete, wie er die Streichhölzer auf einer ausgebreiteten Zeitung zusammenklebte, genau so, wie man bei einem Hausbau die Ziegelsteine legt. Jede gelungene Arbeit an der Geige machte ihm eine große Freude und er präsentierte es gleich der Mama und auch uns. Ich sah in seiner Werkstatt eine klassische Geige, die er in einzelne Teile auseinander legte, und nach diesem Muster dann aus Streichhölzern die gleichen Formen baute. Die Form der oberen Platte zeichnete er von der klassischen Geige ab, und dann schneidete er dieses Stück mit einer dünnen Säge aus. Mehrmals gelang es ihm nicht, und er musste wieder und wieder von vorne anfangen. Wenn die Arbeit nicht so voranging, wie er wollte, war er sehr nervös, und wir verließen lieber den Raum.

Die Seitenwände fertigte er dann so, dass er ein Streichholz neben das andere klebte, pünktlich genau nach dem vorgegebenen Bogen, damit man die runde Form besser biegen kann. Den Geigenhals fertigte er aus einem Stück Ahornholz an, weil der Hals nur aus Streichhölzern sich verbiegen würde. Ich beobachtete meinen Vater, wie emotionsvoll er alles durchlebte. Wenn der ganze Körper des Instruments fertig war, leimte er den Hals fest. An einer dünnen Schnur befestigte er dann den Hals, damit das Instrument in dem bereitgestellten Ständer frei hängen kann. Er ließ es so einige Zeit hängen, damit alles gut trocknet. Ich bemerkte, dass das Holz mit der Zeit seine Farbe ein Bisschen veränderte.

Mein Vater lackierte anschließend das Instrument, und zeigte es später jedem Gast und jedem seiner Bekannten. Er war sehr stolz darauf. Er spielte verschiedene Arien, um seinen Kollegen und Bekannten zu zeigen, welchen Klang seine Geige aus Streichhölzern hat. Mit der Zeit wurde aus meinem Vater ein kleiner Geigensammler. Er hatte etwa fünfzig Stück davon. Mein Vater war eigentlich sehr dilettantisch, was eine von vielen Eigenschaften ist, die ich von ihm vererbt hatte.





Die Zuschließung der Moldau

Ein Freund von mir, mit dem ich einige Jahre befreundet war und dem ich öfter beim Mädchenteam der Basketball-Jugendliga assistierte, trainierte die Mädchen ab der sechsten Klasse bis zum achtzehnten Lebensjahr. Bereits vom Beginn unserer Freundschaft tendierte er auch zu Boots- und Kanufahrten.

Es war einmal zum Ende des Sommers, wann die Saison für solche Wasseraktivitäten langsam endet, und Leute verabschieden sich von den Flüssen, die sie am liebsten befahren. Mein Freund versuchte mich zu überreden, dass ich mit ihm einmal an einer solchen Aktion teilnehme, die im Herzen von Šumava immer am zweiten Wochenende im September stattfindet. Es war in der Zeit, als ich an Angina pectoris erkrankte. Ich kann mich erinnern, dass ich damals Antibiotika einnehmen musste, hatte auch Fieber und musste im Bett liegen. Mein Freund besuchte mich mit einigen Mädchen aus unserem Team, um mir Freude zu machen, und um zu sehen, wie ich gesundheitlich drauf bin. Als er sah, dass ich die Krankheit gut verkrafte, schlug er mir vor, dass ich mit ihm zu einer solchen Zuschließung der Moldau fahre.

Was bedeutet denn diese Zuschließung?“ fragte ich ihn und reagierte so auf seinen Vorschlag ziemlich unerfahren, „Wie kann man denn einen Fluss zuschließen?“

Er lächelte und sagte: „Mensch, bist du denn noch nie einen Fluss gefahren?“

Ich sah ihn überrascht an und antwortete darauf, dass ich wirklich noch nie einen Fluss gefahren bin.

„Tja, dann musst du doch unbedingt mit mir kommen! Das ist ein Erlebnis, das du nie vergessen wirst. Bis in dein Rentenalter.“

Hmm. Bis in mein Rentenalter …“ sagte ich und machte nur große, überraschte Augen, „siehst du denn nicht, dass ich krank bin!? Meinst du, dass ich in diesem Zustand irgendwohin fahren kann, obendrein auf ein Wasser, auf dem ich noch nie war?“

Er wurde ein wenig nervös, dann sagte er aber arrogant: „Mann, sei doch kein Warmduscher! Du benimmst dich, als ob es um dein Leben ginge!“

Also wenn wie umkippen und ich ins kalte Wasser falle, dann geht es sehr wohl um mein Leben“, antwortete ich langsam resignierend.

„Hab keine Angst, ich bin ein Profi, der schon von seiner Kindheit Wasser fährt! Weißt du was? Ich werde dich behüten, wie ein Stück Porzellan!“

„Wie meinst du es mit dem Porzellan?“ fragte ich.

Das sagt man, wenn man etwas Wertvolles mitführt und passt auf, dass es dabei nicht kaputtgeht! Das gab es noch nie, dass ich, anstatt eines Mädchens ausgerechnet so etwas wie dich mitnehme! Ich wickle dich in einen Schlafsack und decke dich auch zu. Du kannst auch vorne im Boot sitzen, damit du alles als erster siehst. Du wirst mir nur melden, wo im Fluss Steine sind, damit wir sie nicht rammen und umkippen! Nimm dir warme Kleidung mit! Morgen früh hole ich dich mit dem Auto ab und nehme dich mit. Hab keine Angst! So etwas hast du noch nie erlebt. Das ist eine Aktion, die du nie vergessen wirst. Du wirst schon sehen!“ versicherte mir mein Freund.

Leise besprachen wir dann alles, damit es meine Frau nicht mitbekommt. Wenn sie nur geahnt hätte, wohin ich in meinem Zustand fahren wollte, hätte sie es, die Ärmste, wohl nicht überlebt.

Morgen früh zog ich mir die wärmste Kleidung an, die ich hatte, und wartete auf meinen Freund. Zum Glück waren meine Frau und die Kinder schon weg. Sie war Lehrerin im Kindergarten, und so nahm sie morgens unsere Kinder gleich mit, noch bevor sie in die Schule mussten. Auf dem Tisch ließ ich eine Nachricht für sie, dass ich erst am Sonntag zurückkomme, am späten Nachmittag, und dass sie sich wegen mir keine Sorgen machen soll. Ich nahm meine Arzneimittel mit, eine Thermoskanne mit heißem Tee und etwas Geld.

Mein Freund holte mich dann ab, sein Kanu war schon aufgeladen, und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Šumava, in eine Ortschaft namens Volary. Unterwegs erzählte er mir etwas über die Regeln auf dem Wasser, damit ich ihn vor den anderen Leuten nicht blamiere. Solche Mengen an „Wasserratten“, die dort zusammen kamen, habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Die Landschaft um Volary war unglaublich eindrucksvoll und so schön, dass schon die Tatsache, dass ich dort war, mich so sehr faszinierte und bezauberte, dass ich nicht mehr bedauerte diesen Ausflug mit meinem Freund gemacht zu haben. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an der Schönheit, die mich hier überall umgab. Meine Gefühle offenbarte ich auch meinem Freund und dankte ihm, dass er mich mitgenommen hatte.


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